Vom Ende der Gewissheiten

Drei Personen von hinten auf einer Bank in einem Museum sitzend

Bereits 1979 verkündete der Philosoph Jean-François Lyotard das Ende der Gewissheiten und den Beginn der Post-Moderne. Was damals als intellektuelle Diagnose formuliert wurde, ist heute greifbare Realität: Wir leben in einer Zeit der Unsicherheit und des Umbruchs.

Das zeichnet diese Zeit aus

Was unsere Zeit charakterisiert, ist die hohe Taktung von Krisen, die Überlagerung und Komplexität, die existenzielle Dimension und die Unumkehrbarkeit mancher Phänomene. Vielen scheint die Welt aus den Fugen zu geraten. 

Diese Überforderung nagt an unserer Fähigkeit zur Zuversicht und lässt uns eine kindliche Sehnsucht nach einer heilen, einfachen Welt entwickeln. Kein Wunder also, dass rechtspopulistische und esoterische Heilsversprecher*innen derzeit großen Zulauf erfahren.

Inmitten dieser Verunsicherung fällt es besonders schwer, das Leise, das Differenzierende und das Abwägende zu hören. Die Welt scheint auf Konfrontation aus zu sein – nicht nur das globale Klima kocht über, sondern auch die Gesprächs- und Debattenkultur. Politische Systeme rücken nach rechts, verhärten sich, und auch Unternehmenskulturen sind in Gefahr, wichtige Werte über Bord zu werfen, um dem Trend nach Vereinfachung und autoritärer Kommunikation zu folgen.

Ist Kommunikation wieder einmal der Schlüssel?

Was könnte Unternehmen und andere Organisationen davor schützen, in autoritäre Entscheidungsmuster und verkürzter Kommunikation zu verfallen? Ich bin überzeugt, dass Menschen wichtig sind, die mit ihrem feinen Gespür für Macht und ihre Legitimation den Unterschied ausmachen. Besonders junge Generationen fordern heute eine klare, echte Kommunikation und die Wertschätzung ihrer individuellen Stimmen. 

Was vermag Bildung in unserer Zeit?

So wie wir Bildung verstehen, kann sie Verbindungen herstellen: zu anderen Menschen, zur Welt und zu einem selbst. Formate der Begegnung, der Reflexion und des Austauschs helfen, das Gefühl der individuellen Überforderung einzuordnen und auch persönliche Strategien zu entwickeln. Gelingende Kommunikation, Deeskalation, Wissen um Verhalten in Extremfällen können stärken und helfen, sich in diesen Zeiten sicherer zu verorten.

Wir brauchen einander – gerade auch in diesen Zeiten des Umbruchs – für unsere Entwicklung, für die Weiterentwicklung der Gesellschaft, für das Gestalten von Zukunft. Bleiben wir im Dialog miteinander!

 

Ihre

Lisbeth Koller