Vor einigen Jahren hatte der Begriff Workoholic Hochkonjunktur. Damit wurde die krankhafte Fixierung auf Arbeit und die Ableitung des eigenen Selbstwerts von der Arbeitsleistung kritisch thematisiert. Dieser Hype scheint mir abgeflaut zu sein, oder haben Sie in letzter Zeit davon gehört oder gelesen? Findet man den Begriff deshalb kaum mehr, weil das Phänomen inzwischen weit verbreitet und quasi eine selbstverständliche Normalität ist?
Später sprach man dann von Work-Life-Balance. An dieser Wortschöpfung finde ich irritierend, dass sie Work und Life als Gegensatzpaar in gegenüberliegende Waagschalen legt, so als wäre die Arbeit kein Teil des Lebens.
Neuerdings las ich von Work-Life-Romance. Der Begriff klingt aufs erste sympathisch, weil er eine Versöhnung der beiden Pole der Work-Life-Balance versucht. Leben und Arbeit in einer romantischen Verbindung – Hach! Ob dieser Hype fliegen wird? Bei mir regt sich jedenfalls Widerstand. Denn ich halte keine klaren Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit, zwischen Job und Privatleben für ungesund.
Dort, wo Mitarbeitende der Einladung zur Selbstausbeutung nichts entgegensetzen (können), zu wenig Ruhephasen einplanen oder kein Regulativ über die Grenze wacht, entsteht chronischer Stress. Und der wirkt sich negativ sowohl auf Work (Qualität der Arbeit) als auch auf Life (Gesundheit) aus.
Ihre
Lisbeth Koller
