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Inhalt
Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwierigkeiten wie Dyskalkulie und Legasthenie begleiten Menschen oft über die Schulzeit hinaus und prägen auch ihren Ausbildungs- und Berufsalltag. Häufig werden die damit verbundenen Herausforderungen fälschlicherweise als mangelnde Motivation, Unkonzentriertheit oder fehlender Fleiß gedeutet. Für Fachkräfte in der beruflichen Integration, Ausbildungsleitung, Beratung und Erwachsenenbildung ist es daher entscheidend, spezifische Teilleistungsstörungen frühzeitig zu erkennen, abzugrenzen und die Betroffenen zielgerichtet zu unterstützen.
Dieses Seminar vermittelt ein umfassendes Verständnis für die Grundlagen, Merkmale und diagnostischen Abläufe bei Dyskalkulie und Legasthenie über verschiedene Altersstufen hinweg. Die Teilnehmenden analysieren anhand anonymer Schrift- und Rechenproben typische Fehlerbilder, setzen sich mit emotionalen Begleiterscheinungen wie Versagens- oder Matheangst auseinander und erarbeiten konkrete Handlungsansätze. Neben der Schaffung förderlicher Rahmenbedingungen und der Nutzung von Nachteilsausgleichen steht vor allem eine stärkenorientierte Haltung im Vordergrund, die den Selbstwert der Lernenden schützt und ihre berufliche Teilhabe nachhaltig sichert.
Grundlagen, Diagnostik & Haltung
Begriffsklärung & Abgrenzung: Legasthenie, Lese-Rechtschreib-Störung bzw. Schwäche sowie Dyskalkulie und Rechenstörung bzw. -schwäche im Unterschied zu allgemeinen
Lernschwierigkeiten
- Typische Merkmale & Fehlerbilder: Phänomene beim Lesen, Schreiben und Rechnen (z. B. phonologische Fehler, unsichere Basiskonzepte, Probleme beim Zahlverständnis)
- Diagnostik & Systemzugang: Ablauf einer Abklärung, beteiligte Berufsgruppen, Teststellen, Wartezeiten und strukturelle Hürden
- Haltungsarbeit: Ressourcenfokussiertes Verständnis entwickeln statt vorschneller Zuschreibungen wie „faul“ oder „unmotiviert“
Lernziele
Die Teilnehmer:innen
- kennen die wichtigsten Merkmale und Diagnosekriterien von Dyskalkulie und Legasthenie können diese von allgemeinen Lernschwierigkeiten abgrenzen
- verstehen Auswirkungen auf Selbstwert, Motivation und Bildungs- bzw. Berufsweg
- kennen zentrale Merkmale und Diagnoseaspekte von Dyskalkulie sowie typische Fehler- und Denkweisen
- wissen, wie sie mit Matheangst und Vermeidungsverhalten sensibel umgehen können und welche Hilfestellungen passend sind
Praxis, Fallarbeit & Unterstützung
- Analyse von Fehlerbildern: Anonymisierte Schriftproben und Rechenbeispiele aus Schule, Lehre und Erwachsenenbildung
- Fallarbeit & Hypothesenbildung: Einordnung von Praxisfällen (spezifische Lernstörung vs. andere Einflussfaktoren)
- Förderliche Rahmenbedingungen: Nachteilsausgleich, organisatorische Anpassungsoptionen und bedarfsgerechte Fördersettings
- Emotionale Dimension: Sensible Begleitung bei Versagens-, Schreib- und Matheängsten sowie gezielte Stärkung von Selbstwert und Motivation
- Kollegialer Austausch: Reflexion eigener Erfahrungen und Handlungsräume aus dem Berufsalltag
Methodik
- Theoretische Grundlagen, Input und Diskussion
- Praktisches Arbeiten in Kleingruppen
- Austausch
- Fallbearbeitung und Reflexion