Was Sie schon immer über Case Management wissen wollten ...

Manuela Gruber

Mag.a Manuela Gruber, MPH

 

Wie erklären Sie Menschen Case Management, die das noch nie gehört haben?

Case Management bedeutet Fallmanagement und meint eine Verfahrensweise für Fachkräfte um Menschen in schwierigen Lebenssituation zu begleiten. Im Sozial- und Gesundheitsbereich hilft diese Großmethode durch einen strukturierten Ablauf, Unterstützungsangebote aufzubauen, diese untereinander vergleichbar anzubieten und prozessorientiert zu evaluieren. In einem Regelkreis sind mehrere Phasen vom Intake, über das Assessment, zur Hilfeplanung und Durchführung der Unterstützungsleistungen mit Monitoring, bis zur Evaluierung und Nachsorge vorgegeben, um eine kontinuierliche Fallführung zu strukturieren.

Case Management ist besonders dann wichtig, wenn Menschen in Situationen unterstützt werden, an denen viele Personen oder Institutionen beteiligt sind und die Regelversorgung nicht greift. Dann können Case Manager*innen als Netzwerk-Profis individuell durch den Fall begleiten, haben viele Freiheiten bei der Gestaltung der Unterstützungsleistungen und gleichzeitig mit dem Regelkreis eine methodische Hilfe zur Strukturierung. Ganz wichtig im Case Management ist die Grundhaltung, dass diese Unterstützungsangebote freiwillig sind und von denjenigen beauftragt werden, die sie in Anspruch nehmen. Partizipation gilt es im Fallverlauf ständig zu bekräftigen, aktiv einzufordern und am Ausbau zu arbeiten.

 

Wie geht man im CM damit um, wenn jemand mit ganz vielen Problemen kommt, die alle ineinander wirken. Wie klärt man da die einzelnen „Baustellen“?

Da das Case Management besonders gut für komplexe Problemkonstellationen ist, wird von den Case Manager*innen besonders viel Wert auf die Klärung dieser gelegt. Es geht am Anfang jedes Unterstützungsprozesses darum, die aktuelle Lebenssituation mehrperspektivisch zu erfassen, die Sorgen der Menschen zu hören und in einem systemischen Zusammenhang besprechbar zu machen.

Im nächsten Schritt werden gemeinsam Ziele erarbeitet um anschließend ein Hilfenetzwerk zu installieren, welches bei der Zielerreichung unterstützt. Case Manager*innen sind emphatisch und geduldig, da sie wissen, dass Veränderungsprozesse nie einfach sind und Zeit brauchen. Sie motivieren dazu, Perspektiven zu erarbeiten, die es wert sind, sich und seine Umwelt aktiv zu verändern.

 

Gibt es eine oder zwei Erfolgsgeschichten dazu, wie CM Menschen/Familien sehr geholfen hat?

Case Management ist immer dann besonders erfolgreich, wenn nicht nur in der konkreten Problemsituation Unterstützung geleistet wird, sondern die Menschen gleichzeitig (wieder)befähigt werden, in Selbstsorge zu leben und ein ressourcenstarkes Netzwerk zur Absicherung aufgebaut wurde. Solche Erfolgsgeschichten finden sich in allen Anwendungsgebieten des Case Management. Im Entlassungsmanagement von Krankenhäusern wird CM eingesetzt um die individuelle, kontinuierliche Versorgung von Patienten nach einem Akutereignis oder einer inversiven Behandlung abzusichern. Eine alleinerziehende, arbeitslose Frau um die 40, mit der Diagnose Brustkrebs und Depression, kann im CM beraten und unterstützt werden physische und seelische Rehabilitation auf das Leben abgestimmt durchführen (ambulant und wohnungsnahe) zu können.

Zusätzlich kann Schnittstellenmanagement im Bezug auf Betreuungspflichten und berufliche Rehabilitation zur Entlastung beitragen und die kontinuierliche Fallbegleitung vor Unter- und Abbrüchen von Hilfen führen. Ein niederschwelliges Case Management Angebot zur Beratung von Menschen mit Migrationshintergrund kann Anlaufstelle in schwierigen Lebenssituationen sein. Case Manager*innen übernehmen in solchen Projekten oft die Funktion der „Vermittler*innen“ zu den Angeboten der speziellen Problemlagen und behalten eine neutrale Haltung gegenüber der Lebenssituation.

Ein Case Management, das gezielt auf die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit abzielt, kann, wenn nötig, im Zuge der Fallbegleitung auch Schuldenproblematiken und den Ausbau des persönlichen Netzwerkes (mit)bearbeiten. Ein 55-jähriger alleinstehender Mann mit Suchterkrankung kann im Case Management dabei unterstützt werden „Altlasten“ in Form von Schulden zu regeln und durch das Reaktivieren von sportlicher Vereinstätigkeit ein ressourcenstärkendes Netzwerk aufzubauen.

 

Danke, Frau Gruber!